Schröderstift

 Es gibt einen magischen Ort mitten in Hamburg - ein Stück Geschichte, das zwischen modernen Gebäuden versteckt ist.

 

  Dies ist ein kleiner historischer Komplex - drei Gebäude in Hamburg-Rotherbaum, die im 19. Jahrhundert gebaut wurden.

 

Dieses Baudenkmal gab einer der zentralen Straßen Hamburgs den Namen - Schröderstiftstraße.

Zum Wohle der Gesellschaft: von der Idee zum Bau


Der Hamburger Kaufmann und Bankier Johann Heinrich Schröder (1784–1883) wollte etwas Gutes tun. 

 1850 rief er die Joh. Heinr. Schröder's mildtätige Stiftung ins Leben und stattete sie mit einem Vermögen von 1 Million Mark aus. (Das Schröderstift existiert noch heute.)

Johann Heinrich Schröder entwickelte ein soziales Wohnprojekt  für allein stehende, „unverschuldet in Not geratene“ Frauen. 

Soziale Sicherheit erhielten Frauen damals nur in der Ehe. Eine alleinstehende Frau ohne Existenzgrundlage war nicht immer in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Eine kleine Wohnung, in der sie nur Heizkosten zahlen sollte, konnte einer Frau Not und viele Fehler ersparen.

Schroeder wollte jedoch nicht, dass das Gebäude für soziale Wohnungen nur  "quadratisch, praktisch, gut" war. Ihm gefiel das Projekt des Architekten Albert Rosengarten - eine dreiflügelige Dreiflügelanlage im Stil des "Historizismus" mit einer Kapelle in der Mitte und einem Innenhof.  

 Sie umfasste 52 kleine Wohnungen mit zwei Stuben und Küche - das notwendige Minimum für ein bescheidenes, aber würdiges Leben.

Neues Leben für alten Sozialwohnungen: Studentenwohnheim

 Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude größtenteils zerstört, aber die Stiftung konnte es restaurieren. Zu dieser Zeit brauchte die Universität Neubauten für Studentenwohnheime und Studenten waren nur Mieter ohne große Ansprüche. Die Stadt machte einen Deal mit der Schröder-Stiftung: Die Stiftung erhielt ein Grundstück und Mittel für den Bau eines neuen sozialen Wohnkomplexes am Stadtrand, die Stadt - ein günstiges Studentenwohnheim mitten im Zentrum. Die kleine Wohnungen des Gebäudes von Schröderstift wurden durch das Studentenwerk vorübergehend an Studenten vermietet, in die Kapelle zog die Griechisch-Orthodoxe Gemeinde Hamburg ein.

Modernes Leben den Sozialwohnungen: die Mietergemeinschaft

Noch in In den 1960er-Jahren entsprach die Ausstattung (Kohleöfen, keine Badezimmer, Toiletten auf dem Flur oder im Keller) nicht mehr den üblichen Wohnstandards. In den 80er-Jahren waren die Gebäude noch verfallener, es gab viel Schimmel in ihnen. Die Restaurierung der Fassaden und die Erneuerung der Infrastruktur der Gebäude war teuer und für nur 52 Wohnungen nicht praktikabel. 
 
Die Universität beschloss, die alten Gebäude abzureißen und an ihrer Stelle ein neues 7-stöckiges Gebäude zu errichten. Dieser Plan stieß jedoch auf Widerstand: Viele Bürger und Medien widersetzten sich dem Abriss alter Gebäude. Dann stellte die Universität die Wartung und Reparatur von Gebäuden ein, obwohl sie kein Recht hatte, Wohnverträge mit Bewohnern von 52 Wohnungen zu kündigen. 
 
Die Bewohner dieses Studentenwohnheims schlossen sich zu einem Verein zusammen und kämpften mit dem Studentenwerk für einfache Bedürfnisse wie die Installation von Duschen und Waschmaschinen. Auf ihre Initiative hin entstanden die Strukturen der Mieterselbstverwaltung Schröderstift. 
 
Es gelang ihnen, mit Unterstützung der Bezirksregierung, en geplanten Abriss zu stören und die alten Gebäude in die Selbstverwaltung zu bringen. Sie blieben im Besitz der Stadt, wurden aber von Bewohner bewirtschaftet. 
 
Die endgültige Entscheidung trafen Bürgermeister Klaus von Donany und der Hamburger Senat im Herbst 1981:
1. Das Gebäude des Schröderstifts wurde an den Verein seiner Bewohner verpachtet.
2.
Um die Kosten niedrig zu halten, sah das Konzept eine einfache Überholung und einen hohen Anteil an Bewohner-Selbsthilfe vor.
3. D
as Projekt erhielt einen einmaligen Zuschuss von 869.000 DM für die Renovierung. 
 
Seitdem ist der antike Komplex vom Schröderstift von ehemaligen Studenten, ihren Kindern und Freunden bewohnt. Das ist kein Studentenwohnheim mehr, kein Sozialwohnungsbau, aber auch kein Privateigentum, sondern eine besondere Eigentumsform – Mieterselbstverwaltung (eine Wohnanlage, die von ihren Mietern bewirtschaftet wird).
Das ist die Vergangenheit und Gegenwart dieser drei Häuser, die vor 170 Jahren für arme alleinstehende Frauen errichtet wurden, dann an Studenten übergeben wurden und jetzt zu einem Zuhause für verschiedene Menschen geworden sind, die der Wunsch vereint, im Stadtzentrum zu leben in einem Altbau.

Der Ort und seine Menschen

  Als ich zum ersten Mal an diesen Ort kam und von der lauten Straße in den Innenhof abbog, schien ich mich in einem Märchen zu befinden. Stille herrschte im Hof, die Kapelle thronte majestätisch, die kleinen Gärten vor den Türen der Wohnungen waren mit Blumen übersät und mit Antiquitäten geschmückt.
 
 
 
  

Der Ort war sehr schön, aber ich konnte nie verstehen, was ihn so besonders und wirklich magisch macht.  Ich ging den ganzen Hof entlang und traf keinen einzigen Menschen.  

Aber ich fand auf einem Holzständer eine Werbung für eine Frau, die lehrt, Märchen zu erzählen und mit Bäumen zu sprechen.


Und mir wurde klar, was diesen Ort magisch macht – die Menschen

 Hier leben ganz besondere Menschen. Wem die Schönheit und Geschichte dieses Ortes, verbunden mit der zentralen Lage, wichtiger ist als heimischer Komfort. Die bereit sind, sich zu vereinen, um für ihre Heimat zu kämpfen und ihre kleine Gemeinde gemeinsam zu führen, um die Schönheit dieses Ortes zu bewahren und seine Geschichte fortzusetzen.

Die Geschichte über noch einen modernen Bewohner des Schröderstifts Arndt Prenzel, die von dem Hamburger Abendblatt erzählt wurde, kann Ihnen interessant erscheinen.  
Er sieht auch aus wie ein Märchenzauberer!
 
          Arndt Prenzel, Mitbegründer und Mitbewohner des Schröderstifts.  Foto: Michael Rauhe /Michael Rauhe/FUNKE Foto Services

Orte und Wörter: Welche Wörter findest du dort geschrieben?

Stift - ist mehr als nur ein Schreibwerkzeug!
auch - mit einer Stiftung (meist Grundbesitz) ausgestattete geistliche Körperschaft

oder - Altenheim, das durch eine Stiftung finanziert wird (veraltend)

verwandtes Wort - Stiftung:
1) Schenkung, die an einen bestimmten Zweck gebunden ist, durch die etwas gegründet, gefördert wird eine private, öffentliche, staatliche, wohltätige Stiftung
2) Institution, Anstalt o. Ä., die durch eine Stiftung (1a) finanziert, unterhalten wird

Mieterselbstverwaltung - eine Form der Mietermitverwaltung, bei der die Hausgemeinschaft das von ihr bewohnte Haus in persönliche Pflege und Verwaltung nimmt.

Aufgabe für ernsthafte Deutschlerner!

Sehen Sie sich die Vokabelwolke an 

und schreiben Sie eine kurze Geschichte über die Schröder-Stiftung:

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